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Die Übungsmethodik des Yin-Stil-Baguazhang Die zur Ausbildung der angestrebten Fähigkeiten verwendeten Übungen sind sehr vielschichtig, und die Übungen des vorgegebenen systematisierten Übungssystems können je nach Bedarf verändert und ergänzt werden, sofern die geschulten Fähigkeiten den Prinzipien des Yin-Stil-Bagua im allgemeinen und seinen Tierstilen im speziellen entsprechen. Derartige Versuche sollten natürlich nur von sehr fortgeschrittenen Praktizierenden unternommen werden, die den Rahmen der Verformbarkeit einschätzen können, so dass es nicht zu einer Verwässerung kommt. Der allgemeine Charakter des Yin-Stil-Bagua wird im Chinesischen mit den Begriffen “wen” (fest, stabil), “zhun” (genau, präzise), “hen” (unbarmherzig, wild, grausam, engl. vicious), “leng” (kalt, kaltblütig), “cui” (knackig, knusprig, bissig, engl. crisp) und “kuai” (schnell) beschrieben. Wenn die ausgeübten Techniken und die angestrebte Kampfmethode diesem Ziel nicht mehr entspricht, handelt es sich nicht mehr um Yin-Stil-Bagua. Das bedeutet jedoch nicht, das sämtliche Übungen des Yin-Stil-Bagua ausschließlich schnell und kräftig ausgeführt werden, es darf nur der grundsätzliche Charakter des gesamten Stils und der jeweiligen Tierstile nicht beliebig verändert werden, wenn man Variationen der einzelnen Übungen entwickelt. Der Charakter dieses Kampfstils orientiert sich an der maximalen Effektivität der Techniken und durch die verschiedenen Tierstile daran, optimal zu unterschiedlichen Typen von Menschen hinsichtlich Körperbau, Persönlichkeit und Vorlieben zu passen. “Unbarmherzig, kaltblütig und bissig” zu werden, stellt natürlich kein Ziel der Persönlichkeitsentwicklung eines Yin-Stil-Bagua-Übenden dar. In der Anwendung der Techniken haben die Fähigkeiten des sensiblen Spürens und der richtigen Einschätzung der Situation eine hohe Bedeutung. Viele Techniken arbeiten mit subtilen Kräften bezüglich der Art und Weise, wie Schläge, Blocktechniken etc. auf den Körper und die Bewegungen des Angreifers einwirken sollen. Abhärtungs- und Desensibilisierungsübungen gehören daher nicht zum Übungsrepertoire des Yin-Stil-Bagua. In den meisten Tierstilen besteht die primäre Taktik darin, den Gegner mit harten und schnellen Techniken anzugreifen (bzw. im Verteidigungsfall den Angriff des Gegners damit zu kontern), damit der Gegner zu Abwehraktionen gezwungen wird, und Lücken in seiner Verteidigung entstehen, die dann ausgenutzt werden können (dies wird manchmal als “Tür offnen” bezeichnet). Um in dieser Hinsicht überlegen zu sein, ist die Entwicklung eines starken Körpers mit einem starken Energiesystem und einem starken Geist erforderlich. Dieses wird im allgemeinen als “GongFu” bezeichnet, als etwas, was man in Laufe der Zeit durch langjähriges Training langsam erwirbt, aber nicht gezielt in technischem Sinne erlernen kann.
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