|
Die acht Tierstile des Yin-Stil-Bagua Obwohl alle acht Tiere des Yin-Stil-Baguas Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten aufweisen, da sie alle den Grundprinzipien des Yin-Stil-Bagua entsprechen, so gibt es doch wichtige Unterschiede und Schwerpunktsetzungen bezüglich der Körperhaltung, der bevorzugten Schlagtechniken, der Kraftanwendung und der Kampfphilosophie. Jedes der acht Tiere wird von einem der acht Trigramme des Bagua repräsentiert. Die drei Balken eines Trigramms beziehen sich sowohl auf den allgemeinen Charakter des Tieres, wie auch auf konkrete Besonderheiten des Bewegungsstiles. Die einzelnen Balken (in der Reihenfolge von oben nach unten) beziehen sich dabei auf bestimmte Teile oder Abschnitte des menschlichen Körpers, und zwar zum einen auf die drei Abschnitte Kopf/Schulterbereich/Arme (oberer Balken), Oberkörper/Taille (mittlerer Balken), Hüften/Beine (unterer Balken) und zum anderen auf die Gelenkpaare Handgelenke und Fußknöchel (oberer Balken), Ellenbogen und Knie (mittlerer Balken), Schultern und Hüften (unterer Balken). Eine Yang-Linie (durchgezogene Linie) in einem Trigramm bedeutet, dass sich der betreffende Körperbereich eher wenig bewegt und stabil gehalten wird, während eine Yin-Linie (durchbrochene Linie) bedeutet, dass viel Beweglichkeit vorhanden ist. Eine Yin-Linie bedeutet jedoch nicht, dass der betreffende Körperbereich immer entspannt, locker oder kraftlos gehalten wird, sondern manchmal wird gerade in diesen Bereichen besonders viel Kraft erzeugt bzw. benötigt. Ein Trigramm mit einer durchgezogenen und zwei durchbrochenen Linien stellt ein männliches Trigramm dar, zwei durchgezogene Linien und eine durchbrochene Linie bilden ein weibliches Trigramm. Weiterhin ist jedes der acht Tiere und Trigramme mit einem der acht Elemente Himmel, Wasser, Berg, Donner, Wind, Feuer, Erde und See verbunden. Die Bedeutung dieser Elemente entspricht nicht immer den gleichnamigen Elemente, die in anderen Philosophien vorkommen, z.B. den fünf Wandlungsphasen Holz, Feuer, Erde, Wasser und Metall, oder den Elementen Erde, Feuer, Wasser, Wind und Leere, wie sie beispielsweise im japanischen Ninjutsu verwendet werden. Außerdem sind die Trigramme noch mit den Persönlichkeiten eines Familenmitgliedes assoziiert, das sind Vater, Mutter, älterer Sohn (oder Bruder), mittlerer Sohn, jüngerer Sohn, ältere Tochter (oder Schwester), mittlere Tochter und jüngere Tochter. Es ergeben sich folgende Kombinationen: Der eigentliche Charakter und die konkreten Bewegungsprinzipien, Körperhaltungen, Formen und Anwendungstechniken ergeben sich im Wesentlichen als Kombination aus bestimmten Charaktereigenschaften und typischen Verhaltensweisen der Tiere sowie aus der Übertragung der Balkenkombination des Trigramms auf die Körperbereiche und Gelenkpaare. Insbesondere bei den Fabeltieren Drache, Phoenix und Qilin, aber auch bei den anderen Tieren sind Eigenschaften von Bedeutung, die diesen Wesen entsprechend der chinesischen Kultur zugeordnet werden. Die Zuordnung der Elemente ist von allgemeinerer Bedeutung und die Idee der Familienmitglieder von nachrangiger Bedeutung. Die Tiere werden selbstverständlich nur in dem Ausmaß imitiert, wie dies für die Kräftigung von Muskelbereichen, für die Optimierung des Energieflusses oder für bestimmte Anwendungstechniken und Bewegungsprinzipien sinnvoll und nützlich ist. Schauspielerische Leistungen und Bestrebungen, ein Tier in möglichst allen Aspekten nachzuahmen, wie dies manchmal in Tierstilen des modernen WuShu gemacht wird, werden im Yin-Stil-Bagua nicht angestrebt. Die Zuordnung der Trigrammbalken zu den Körperbereichen und Gelenkpaaren führt bei strenger Anwendung der Theorie zu teilweise
widersprüchlichen Ergebnissen und kann aus Gründen, die im anatomischen Bereich und in der Funktionalität der Anwendungen liegen, nicht in allen Aspekten umgesetzt werden. So sind beispielsweise die Schultern als Kugelgelenke
bei vielen Techniken in allen Tierstilen sehr beweglich und aktiv, denn die Beweglichkeit der Schultergelenke kann nur in eingeschränkten Maße durch die anatomisch geringe Beweglichkeit der Taille oder der Ellenbogen
kompensiert werden, auch wenn die Trigrammtheorie dies manchmal erfordern würde. Die Zuordnung der Tierstile zu den acht Elementen betrifft häufig weniger die Techniken und Bewegungen, die hauptsächlich durch die Tiere und Trigramme geprägt werden, sondern in stärkerem Maße geistige, mentale und intentionale Aspekte bei der Anwendung von Techniken, die mit physikalischen Eigenschaften der Elemente assoziiert werden. Die Anwendung der Zuordnung zu den Familienmitgliedern beinhaltet hauptsächlich die Idee, dass entsprechend einem sehr traditionellen (aber inzwischen nicht mehr gültigen) Familienverständnis die männlichen den weiblichen und die älteren den jüngeren Familienmitgliedern hierarchisch übergeordnet sind, und der Tierstil dementsprechend als dominant oder defensiv kämpfend einzuordnen ist.
|